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Regeln, über die niemand spricht: Der unsichtbare Verhaltenskodex in Österreich

von Arwed Kappel

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In Österreich werden viele Dinge nicht durch Gesetze, sondern durch ungeschriebene Normen geregelt. Sie werden nicht erklärt – man spürt sie. Wer gegen einen solchen Kodex verstößt, erntet leichte Verwirrung, einen vielsagenden Blick oder, schlimmer noch, Schweigen. Diese Regeln sind nicht schriftlich festgehalten, aber wirksamer als jedes Dekret.

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Erstens: Respekt vor der Stille. In Wohnhäusern ist nach 22:00 Uhr kein Lärm mehr erlaubt. Nicht, weil es verboten ist, sondern weil es sich einfach nicht gehört. Selbst Renovierungsarbeiten am Wochenende sind tabu. Dies ist keine Einschränkung der Freiheit, sondern ein Akt der Rücksichtnahme auf unsere Nachbarn. Wir wissen, dass die Ruhe anderer genauso wertvoll ist wie unsere eigene.

Zweitens: Anstehen. In Österreich drängelt man nicht, unterbricht niemanden und drängelt sich nicht vor. Selbst wenn die Fahrkarte frei ist, stellt man sich hinten an. Es ist eine Frage der Ehre. Der Versuch, sich unbemerkt durchzuschleichen, ruft keinen Ärger hervor, sondern nur ein nüchternes Urteil – und das genügt.

Drittens: Kleiden Sie sich angemessen. Für einen Waldspaziergang tragen Sie bequeme Schuhe, für die Oper ein elegantes Outfit, für das Sonntagsessen mit den Eltern ein ordentliches Hemd. Wir kleiden uns nicht für andere, sondern respektieren den Anlass. Jeans mit Löchern zu einem offiziellen Anlass? Unmöglich.

Viertens: Die Sprache der Höflichkeit. „Grüß Gott“, „Bitte“, „Danke“ und „Auf Wiedersehen“ sind keine Formalitäten, sondern Zeichen des Respekts. Selbst im Aufzug ist es üblich, zu nicken oder „Servus“ zu sagen. Schweigen ist nicht unhöflich, sondern eine Begrüßung – ein Zeichen der Zugehörigkeit.

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