Die Startseite Leben Regeln, über die niemand spricht: Der unsichtbare Verhaltenskodex in Österreich

Regeln, über die niemand spricht: Der unsichtbare Verhaltenskodex in Österreich

von Arwed Kappel

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Fünftens: Der Umgang mit der Natur. Im Wald sollten Sie nicht schreien, keinen Müll hinterlassen und keine Blumen grundlos pflücken. Wir sind keine „Besucher“ der Natur – wir sind Teil von ihr. Deshalb werden selbst Touristen freundlich korrigiert: „Hier geht man nicht weiter“ – und ihnen wird der Weg gezeigt.

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Sechstens: Zurückhaltung der Gefühle. Laute Freude oder öffentliche Verärgerung sind selten. Wir drücken Gefühle durch Taten aus, nicht durch Worte. Geschenke, Hilfe und stille Unterstützung – das ist unsere Sprache. Emotionale Zurückhaltung ist keine Kälte, sondern Respekt vor dem persönlichen Freiraum anderer.

Siebtens: Pünktlichkeit. Bei einem Termin um 15:00 Uhr ist zehnminütiges Zuspätkommen bereits ein Verstoß. Aber auch 15 Minuten zu früh zu erscheinen, wird nicht akzeptiert. Wir schätzen die Zeit des anderen und planen unsere Treffen respektvoll.

Achtens: Soziale Distanz. Umarmungen und Küsse sind engen Freunden vorbehalten. Fremden begegnet man mit einem Händedruck oder einem Nicken. Persönliche Fragen (zu Einkommen, Beziehungen, Glauben) werden erst nach längerer Bekanntschaft gestellt. Wir sind nicht verschlossen – wir sind vorsichtig.

Neuntens: Verantwortung ohne Kontrolle. Recycling, Parkgebühren bezahlen, den Garten pflegen – all das tun wir nicht, weil wir „erwischt“ wurden, sondern weil es „das Richtige ist“. Wir vertrauen einander – und wir werden diesem Vertrauen gerecht.

Zehntens: Bescheidenheit im Erfolg. Prahlerei ist unangebracht. Selbst in jeder Situation sagt ein Österreicher eher: „Es geht.“ Wir stellen unsere Erfolge nicht zur Schau – wir leben sie. Und darin liegt unsere Stärke.

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